Sicherheit

Ist Urlaub in einer Favelha sicher?

Neu: Auf Englisch informiert auch CNN in einem langen Blog-Eintrag mit vielen Fotos vom Juli 2009 über das Leben und die Sicherheit in unserer Favela/unserem Hostel.

Natürlich bekommen wir etliche Anfragen zum Thema “Sicherheit”, deswegen diese Seite. Gerade andere Brasilianer warnen öfter vor Favelas, und auch in Europa hört man manchmal Schreckensnachrichten. Oft stimmt es ja auch: Die meisten Favelas sind viel zu gefährlich um dort zu wohnen oder als “Gringo” überhaupt nur spazierenzugehen.

Warum investieren wir also in solch ein Projekt in einer Favela, und warum glauben wir, dass wir auch tatsächlich genug Gäste haben werden, damit sich das alles wieder finanziert?

Weil die “Pereira da Silva” eben nicht irgendeine Favela ist !!!
Natürlich hat auch sie schon unsichere Tage hinter sich. Bis 1999 war diese Favela eine wie jede andere auch. Es gab einen boca de fumo, also einen Drogenumschlagplatz, und ständige Strassenkämpfe mit der Polizei.
Man kann sich das in etwa so vorstellen wie es im Kinofilm “Cidade de Deus” sehr eindrucksvoll und realistisch geschildert wird. Wenn man sich mit den Bewohnern der Favela unterhält, kann man viele Schauergeschichten aus den Jahren vor 1999 hören und einiges daraus lernen….

ABER: 1999 gab es eine groß angelegte Polizeiaktion, bei der ausnahmslos alle Drogendealer (traficantes) “ausgelöscht” wurden. Danach hat die Polizei den gesamten Hügel (“morro”) besetzt. Bis im Jahr 2003 gab es einen ständigen Posten von ca. 20 Polizisten in der Favela. Jetzt ist diese Wache abgezogen, aber es bleibt weiter ruhig. Einen Polizeiposten am oberen Ende der Favela gibt es noch, ausserdem ist ein BOPE (ein Polizeiposten für “Spezialeinsätze”) in Sichtweite.

Unser Hostel funktioniert nun seit bald vier Jahren und noch NIE haben wir irgendwelche Probleme mit Kriminalität gehabt. Die meisten unserer Gäste sagen nach dem Aufenthalt, dass sie sich nirgendwo in Rio so sicher gefühlt haben wie bei uns in der Favela (nicht nur im Hotel, sondern in der ganzen Favela). Auch unseren Gästen wurde schon mal ein Rucksack oder eine Kamera geklaut – an der Copacabana, irgendwo auf der Strasse, in Santa Teresa – aber niemals in unserer Favela! Die Favela ist tagsüber wie auch nachts absolut sicher…

Wird es aber auch so bleiben? Natürlich kann dies niemand garantieren, aber wir würden sicher nicht so viel investieren, wenn wir nicht absolut überzeugt wären. Direkt am Fuße der Favela (am Ende der Sackgasse der Rua Pereira da Silva, die von der Rua das Laranjeiras abgeht) ist seit vielen Jahren ein französisches Privat-Gymnasium. Gleich daneben führt eine Strasse zu einigen Villen, die unter anderem der Familie der regierenden Bürgermeisterin Rosinha und anderen Prominenten gehören. Und am oberen Ende der Favela ist das riesige “Colegio Asuncao”, ein religiöses Kolleg. All dies war sicher auch ein Grund dafür, warum sich die Polizei diese Favela als eine der ersten für eine solch konzertierte Aktion ausgesucht hat. Das Interesse aller Anwohner (und auch der BEwohner) ist sehr groß, dass der Zustand der Favela so bleibt…

Zudem ist die Pereira da Silva sehr klein (nur 2000 bis 3000 Bewohner) und damit recht übersichtlich. Es gibt nur zwei Zugänge, einen oben und einen unten. Damit könnten “traficantes” relativ leicht von der Polizei eingekesselt werden…Auch haben die traficantes aus den umliegenden, weniger sicheren Favelas ein Interesse daran, dass es in der Pereira da Silva ruhig bleibt – sonst würde die Polizei wiederkommen und sich von hier aus auch in die anderen Favelas ausbreiten. Mögliche Verbrechen würden also sofort nicht nur von der Polizei sondern auch von den “Aufpassern” aus anderen Favelas verfolgt werden … und somit würde sich nie einer der Anwohner trauen, einem Touristen etwas “anzutun”. Andreias Familie lebt seit langem in der Favela und ist mit den Bedingungen dort bestens vertraut. Sie kennt dort fast jeden, und hat sich vor Baubeginn natürlich die Zusicherung aller Anwohner und der “Assosiacao dos Moradores” geholt, dass sie und Ihre Gäste von niemandem behindert werden…
In der Favela gibt es zudem das Projekt “TV Morrinho”, auf welches wir von unserer Linkseite aus hinweisen. Dies ist ein Paradebeispiel für eine wirksame Arbeit mit Jugendlichen in der Favela. Es gibt seit langem geführte Touren (auch mit Touristen) dorthin, die Gruppe vom TV Morrinho darf dieses Jahr neben einigen Ausstellungen in Brasilien ihr Projekt auch in Barcelona vorstellen.

Gerade die “Pereira da Silva” wird also zur Zeit zum Paradebeispiel einer gelungenen Resozialisierung einer Favela. Sie war als eine der ersten in das Projekt “Favela Bairro” der Prefeitura aufgenommen worden, das in erster Linie für eine verbesserte Schulbildung, ordentliche Kanalisation und Müllabfuhr und eine Integration der Favela in die umliegenden Wohngegenden ermöglichen soll.

Natürlich muss jeder selbst wissen, ob er in einer Favela wohnen möchte. Aber auf andere Weise kann man diese unbekümmerte Lebensart mitten in der Großstadt eben nicht kennen lernen. Und: Nirgends sonst wohnt man so zentral, mit so herrlichem Ausblick und vermutlich auch -das meinen wir tatsächlich ernst! – so sicher, wie in dieser Favela. Wir sind persönlich überzeugt davon, dass es sicherer ist, bei uns zu wohnen, als in einem beliebigen Backpacker-Hotel in der Rua da Catete, also im Backpacker-Viertel von Rio, das nur 5 min. von uns entfernt liegt…

P.S.:

In der Pousada haben wir natürlich zusätzlich gesicherte Fenster und Türen, und einen hohen Zaun. Und in den Zimmern gibt es abschliessbare Metall-Schränke für alle Gäste.